Börsencrash:

Der jüngste Börsencrash, bei dem der DAX 30 Prozent seines Wertes verloren hat, bietet eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit. Bei einem DAX von 5.000 Punkten liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 9 und die durchschnittliche Dividendenrendite bei 4 Prozent, was einer äußerst günstigen Bewertung entspricht.

Der Börsencrash ist ein an der Börse gefürchtetes Ereignis, das sich zwangsläufig alle paar Jahre wiederholt. Meist treten Börsencrashs auf, wenn sogenannte Finanzblasen beziehunsweise Investitionsblasen (wie die derzeitige globale Staatsanleihenblase) platzen. Die Angst vor Börsencrashs ist allerdings unbegründet, da sie ein wichtiger Bestandteil der Börse sind. Genauso wie es Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt, gibt es in der Wirtschaft Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Die Aktienkurse nehmen die Wirtschaftsentwicklung allerdings 6 bis 12 Monate vorweg. Es gibt diesen sogenannten Konjunkturzyklus, der sich immer wiederholt.

 

Aktienkurse sind wie Hunde: Sie laufen manchmal weit vor (Überbewertung) oder auch nach hinten (Börsencrash), doch am Ende kommen sie immer wieder zu Ihrem Besitzer (tatsächlicher Wert) zurück.

Durch die überschüssige Liquidität, die derzeit reichlich von den Zentralbanken aus dem Nichts erzeugt wird, können die Kurse weiter stark nach oben getrieben werden. Langfristig gesehen sollten die Börsen auf jeden Fall weiter steigen, da die Inflation in den kommenden Jahren aufgrund der weltweit historisch niedrigen Leitzinsen und den Aufkäufen von Staatsanleihen durch die Zentralbanken höchstwahrscheinlich stark ansteigen wird. Wenn die Staatsanleihenblase platzt werden unsere Geldwertanlagen dem größten Crash seit über 60 Jahren zum Opfer fallen. Eine völlige Entwertung unserer Währungen und eine Währungsreform sind nicht ausgeschlossen, sondern sogar sehr wahrscheinlich.

Anleger, die in einen Fondssparplan investieren, können sich jedoch auch bei einem Börsencrash entspannt zurücklehnen, da sie von dem Cost Average Effekt profitieren, es sei denn, das Geld wird kurzfristig wieder benötigt. Solange genug Zeit vorhanden ist, den Börsencrash "auszusitzen", besteht kein Anlass zur Sorge. Letztendlich bietet ein Börsencrash eine ausgezeichnete Gelegenheit, Aktien unter Ihrem tatsächlichen Wert zu kaufen.

Die sich immer wiederholende Entstehung und der Verlauf eines Börsencrashs:

Alles beginnt damit, das die Wirtschaftsleistung steigt. Die institutionellen Investoren wie beispielsweise Fondsmanager, Banken und Versicherungsgesellschaften investieren vorsichtig in die Aktienmärkte. Die Kurse steigen leicht an, was dazu führt, das weiteres Geld an der Börse investiert wird. Insgesamt steigt die Investitionsbereitschaft und die Kreditvergabe.

Nach zwei bis drei Jahren kontinuierlich steigernder Aktienkurse, wenn die institutionellen Investoren nahezu voll investiert sind, kommen die Privatanleger vermehrt an die Börse, um ebenfalls von dem Aufschwung beziehungsweise Wirtschaftsboom zu profitieren. Den Privatkunden werden von Beratern eindrucksvolle Charts gezeigt, auf denen klar zu erkennen ist, das die Kurse in den vorangegangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Dann wird diese Entwicklung fälschlicherweise in die Zukunft projiziert, sodass der potentielle private Anleger das Gefühl bekommt, er wäre dumm und würde etwas verpassen, wenn er nicht jetzt sofort einsteigt. Dieses Szenario findet tausende Male statt, sodass die unerfahrenen privaten Anleger die Kurse im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze treiben. Dafür werden nicht nur die Ersparnisse eingesetzt, sondern es werden auch Kredite aufgenommen, um an der Börse zu investieren.

Eines Tages sind dann alle risikofreundigen "Anleger" voll beziehungsweise überinvestiert. Es ist wie bei einem riesigen Schneeballsystem: Alle warten auf die nächste, noch dümmere "Generation" von Anlegern, die dazu bereit ist, die Aktien zu noch höheren Kursen zu kaufen. Wenn diese dann aber ausbleiben, fangen die Kreditzinsen an zu drücken, die aus erwarteten Kursgewinnen bezahlt werden sollten. Die ersten Marktteilnehmer kehren der Börse enttäuscht den Rücken zu und die Kurse bröckeln zunächst leicht ab. Nach einiger Zeit treffen dann vermehrt schlechte Konjunkturdaten ein, woraufhin es immer mehr Investoren dämmert, das die Hausse vorbei ist. Sie verkaufen. Durch die Verkäufe fallen die Kurse, wodurch weitere Marktteilnehmer verkaufen. Schließlich werden wichtige Charttechnische Barrieren nach unten durchbrochen, was weitere Verkäufe auslöst. Parallel dazu werden durch die immer schneller fallenden Kurse ständig stop-loss Verkaufsaufträge ausgelöst, wobei die Aktien billigst, also egal zu welchem Preis, regelrecht ausverkauft werden. Diese unkontrollierte Kettenreaktion führt dann zum Börsencrash!

Um in einem solchen Szenario die Finanzmärkte vor dem totalen Zusammenbruch zu schützen wurde in den USA das sogenannte Plunge Protection Team gegründet. Dieses inoffizielle Gremium interveniert mit Hilfe der FED an der New York Stock Exchange, der Leitbörse der Welt, wenn die Kurse extrem stark einbrechen, um eine Massenpanik einzudämmen. Daher sind Kursstürze von zum Beispiel 20 Prozent an einem einzigen Handelstag praktisch nicht mehr möglich.

Viele Börsianer merken erst Abends, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen, das ihre Wertpapierbestände verkauft wurden, da der stop-loss Verkaufsauftrag bei Unterschreiten eines vorher bestimmten Kurses automatisch ausgelöst wird. Am Tag nach dem Börsencrash kommt es meist zu einer "technischen Gegenreaktion". Weil viele Anleger verkauft haben und daher wieder frei verfügbares Barvermögen besitzen und die Kurse extrem niedrig sind, entschließen sie sich wieder einzusteigen, um diese günstige Gelegenheit zu nutzen.

Die unerfahrenen Privatanleger, die beispielsweise Einmalzahlungen in Investmentfonds geleistet haben, bekommen meist erst mit, was passiert ist, wenn alles schon vorbei ist. Sie sind die letzten, die zu Höchstkursen kaufen und die letzten, die zu Tiefstkursen wieder verkaufen. Allerdings ist es nicht die Schuld der Börse oder des Börsencrashs, sondern die mangelnde Erfahrung und Fehlinformationen von den verschiedensten Institutionen. Viele dieser "Einwegbörsianer" kehren der Börse nach einem einmaligen, schmerzlichen Kursverlust von 50 Prozent endgültig den Rücken zu. Das muss nicht sein, denn aus Fehlern wird man bekanntermaßen schlauer.

Wie man mit geringem Aufwand den zeitlichen Rahmen identifizieren kann, in dem ein Börsencrash immer wahrscheinlicher wird, lesen Sie auf der Startseite mit dem Titel Geldanlagen.


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