Anleihen:
Die gigantische Neuverschuldung der Staaten hat zur größten Staatsanleihenblase aller Zeiten geführt, die praktisch schon geplatzt wäre, wenn die Zentralbanken nicht eingesprungen wären. Die EZB kauft derzeit spanische und italienische Anleihen auf, um die Renditen auf einem finanzierbaren Niveau zu halten. Ausserdem versucht die EZB die bisher gekauften europäischen Staatsanleihen, vorwiegend aus Irland, Griechenland und Portugal, in den Euro-Stabilitätsfonds EFSF umzuschichten, um die Risiken aus der Bilanz zu bekommen. Das Anleihenaufkaufprogramm der Fed über 600 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2011 ist Ende Juni planmäßig ausgelaufen. Laut Fed-Chef Ben Bernanke wird es kein neues Aufkaufprogramm (QE 3) geben.
| | Allerdings hat die Fed Ende September beschlossen US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu 3 Jahren in einem Volumen von 400 Milliarden Dollar zu veräußern, um mit dem Erlöß langlaufende US-Staatsanleihen zu kaufen. Mit diesem Geldpolitischen Schritt mit dem Namen "Operation Twist", den es erstmals 1961 gegeben hat, sollen die langfristigen Zinsen gesenkt werden, um Investitionen anzuregen. Bill Gross, Fondmanager des Total Return Fund von Pacific Investment Management Co (PIMCO), einer Tochter der Allianz, hat sich bereits im März 2011 von sämtlichen US-Treasuries getrennt! Das ist ein einmaliger Vorgang des 250 Milliarden Dollar schweren größten Anleihenfonds der Welt. Darüber hinaus wurden US-Staatsanleihen sogar Leerverkauft, um sie möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt günstiger wieder zurückkaufen zu können. Pimco Chef Mohamed El-Erian warnt immer wieder vor einem Zahlungsausfall bei Staatsanleihen, insbesondere der PIIGS-Staaten Irland, Griechenland und Portugal. 10 jährige Staatsanleihen bringen in Irland 10 Prozent, in Portugal 8 Prozent und in Griechenland sagenhafte 16 Prozent Zinsen pro Jahr. Durch einen sogenannten "haircut" könnten die Staatsschulden auf Kosten der Anleger möglicherweise halbiert werden, um das Weltfinanzsystem zu "retten". Also Hände weg von Staatsanleihen! |
Idealer Kauf- oder Verkaufszeitpunkt von Staatsanleihen:
Der ideale Kaufzeitpunkt von Bundesanleihen ist in einer Konjunkturellen Boomphase, wenn die Aktien, aber auch die EZB Leitzinsen sehr hoch stehen. Dann sollte man Bundesanleihen mit einer möglichst langen Restlaufzeit soweit wie möglich unter pari kaufen, das heißt der Kupon (fester Zinssatz) sollte so gering wie möglich sein.
Beispiel: WKN 113527, Bundesanleihe mit 4 Prozent Kupon, Restlaufzeit bis 04.01.2037. Am 03.07.2008 erhöhte die EZB den Leitzins auf 4,25 Prozent. An diesem Tag schloss der Kurs der Anleihe bei 87,43 Prozent (874,30 Euro). 10 Monate später, am 07.05.2009 senkte die EZB nach mehreren Zinsschritten den Leitzins auf 1,0 Prozent, wobei der Schlusskurs der Anleihe bei 96,11 Prozent beziehungsweise 961,10 Euro lag. Das entspricht einem Kursgewinn von 10 Prozent in 10 Monaten, und das bei stark einbrechenden Börsenkursen! Aufgrund der extrem schlechten Stimmung und der Verunsicherung wegen der Finanzkrise wären nach 6 Monaten ab EZB Leitzinshoch 26 Prozent Gewinn mit dieser Bundesanleihe möglich gewesen, da der Kurs Ende 2008 ein Zwischenhoch bei 110 Prozent (1100 Euro) erreichte. Ende August 2010 stieg der Preis für die Anleihe aufgrund der Anleihenkäufe der EZB sogar auf 125,55 Prozent oder 1255,50 Euro, was einem Kursgewinn in Höhe von knapp 44 Prozent in gut 2 Jahren entspricht.
Daraus folgt, das der beste Zeitpunkt, um die Bundesanleihe aus dem Beispiel zu verkaufen, auf dem EZB Leitzinstief liegt. Denn wenn Sie jetzt in diese Anleihe investieren und die EZB Leitzinsen Schritt für Schritt angehoben werden, MUSS der Kurs dieser Anleihe fallen. Und durch den sinkenden Kurs würden Ihre festen Zinsen "aufgefressen" werden, sodass Sie im günstigsten Fall mit einer schwarzen Null aus der Nummer herauskommen, es sei denn, Sie halten das Papier bis zum Ende der Laufzeit. Wenn Sie dann allerdings die Inflation und die Abgeltungssteuer von den Zinserträgen und Kursgewinnen abziehen, würde ebenfalls nichts übrig bleiben.
Anleihen, oder auch verzinsliche Wertpapiere, Renten, Bonds oder Obligationen genannt, sind Schuldverschreibungen, die eine feste oder eine variable Verzinsung und eine vorgegebene Laufzeit und Tilgungsform haben. Der Käufer (Gläubiger) einer Schuldverschreibung besitzt eine Geldforderung gegenüber dem Emittenten (Schuldner).
Der Ausgabepreis von Anleihen entspricht nicht immer dem Nennwert, sondern kann zum Nennwert (zu pari = 100 Prozent), über pari oder unter pari ausgegeben werden. Dabei bedeutet unter pari, das die Anleihe mit einem Abschlag (Disagio) und über pari, das die Anleihe mit einem Aufschlag (Agio) ausgegeben wird.
Klassische festverzinsliche Anleihen (Straigt Bonds) haben eine gleichbleibende Verzinsung über die gesamte Laufzeit, wobei die Zinsen einmal jählich an einem bestimmten Stichtag ausgezahlt werden. Bei Anleihen mit variablen Zinssätzen (Floating Rate Notes) werden alle 3, 6 oder 12 Monate die Zinsen ausgezahlt und der Zinssatz für die nächste Zinsperiode bekannt gegeben, wobei sich der Zinssatz an Referenzzinssätzen wie beispielsweise dem EURIBOR (European Interbank Offered Rate) oder dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) orientiert. Die Geldmarktsätze Euribor und Libor sind die Zinssätze, zu denen sich Banken innerhalb der EU gegenseitig Geld leihen.
Emittenten:
Festverzinsliche Wertpapiere werden von verschiedenen Emittentengruppen ausgegeben, wobei die Bonität einer Institution oder eines Staates für die Zinshöhe ausschlaggebend ist. Um so geringer die Bonität, desto höher der Zinssatz, aber auch das Risiko, bei Insolvenz des Emittenten einen Totalverlust zu erleiden. Eine Ausnahme bieten Inflationsindexierte Anleihen, bei denen die Zinshöhe vom harmonisierten Verbraucherpreisindex (ohne Tabak) abhängt. Das heißt, falls die Inflation stark ansteigen würde, könnten hohe Zinsen gezahlt werden, obwohl der Emittent ein sehr gutes Rating hat (wie zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland).
Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand:
Die öffentliche Hand bedient sich zur Finanzierung ihres zur Zeit gewaltigen Kapitalbedarfs einer ganzen Reihe von Kapitalmarktinstrumenten: Dazu zählen die öffentlichen Anleihen von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden.
Der Bund begibt ausser Bundesanleihen und Bundesobligationen, die an der Börse gehandelt werden, auch Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze, die nicht an der Börse gehandelt werden.
Die klassischen Bundesanleihen laufen zwischen 10 und 30 Jahren (langfristig), die Bundesobligationen 5 Jahre (mittelfristig). Der Nominalzins ist fest, die Ausgabepreise sind variabel, je nach EZB Leitzinsniveau.
Bundesschatzbriefe enthalten einen festen Zinssatz, der im Verlauf der Anlagezeit steigt. Bei dem Typ A beträgt die Laufzeit 6 Jahre, wobei Emissionspreis und Rückzahlung zum Nennwert erfolgen und die Zinsen jährlich ausgezahlt werden. Typ B läuft hingegen 7 Jahre, wird zum Nennwert ausgegeben und mit den Zinsen, die über die Laufzeit angesammelt werden, bei Fälligkeit zusammen mit dem Kapital ausgezahlt.
Finanzierungsschätze haben eine Laufzeit von 1 bis 2 Jahren und werden mit einem Disagio emittiert und bei Fälligkeit pari zurückgezahlt, sodass während der Laufzeit keine Zinsen ausbezahlt werden.
Bankschuldverschreibungen und Unternehmensanleihen:
Bankschuldverschreibungen sind Schuldverschreibungen, die von Kreditinstituten begeben werden. Unterscheiden muss man zwischen gedeckten Schuldverschreibungen, bei denen gesetzliche Vorschriften dafür sorgen, das die Schuldverschreibungen während der gesamten Laufzeit jederzeit komplett durch erstrangige Grundpfandrechte beziehungsweise Kredite an öffentliche Schuldner gedeckt sind, und sonstigen Bankschuldverschreibungen. Gesetzlich zugelassene Emittenten von gedeckten Bankschuldverschreibungen sind Hypothekenbanken, Landesbanken, öffentlich-rechtliche Grundkreditanstalten und Spezialkreditinstitute. Sonstige Bankschuldverschreibungen werden vor allem von privaten Geschäftsbanken, Sparkassen, Kreditgenossenschaften und Bausparkassen emmittiert.
Unternehmensanleihen (Industrieobligationen) werden von Unternehmen aus Industrie und Handel emittiert. Da Wirtschaftsunternehmen in der Regel nicht so ein hervorragendes Rating besitzen wie zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland, sind mit Unternemensanleihen meist deutlich höhere Zinsen zu erzielen, als mit Staatsanleihen. Allerdings geht das mit einem höheren Verlustrisiko einher.
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